pas de Saint Martin

Martin in Trier

Mit dem „pas de Saint Martin“ des französischen Künstlers Michel Audiard werden die Orte ausgezeichnet, die in der Lebensbeschreibung des hl. Martin von Sulpicius Severus genannt werden. In Deutschland sind das nur Worms und Trier. Dass Trier in der Vita Martini relativ oft genannt wird, könnte damit zu tun haben, dass sich die Schwiegermutter des Sulpicius wohl längere Zeit in Trier aufgehalten und ihm davon berichtet hat.

Hier sollen nach und nach alle Begebenheiten aus Bischof Martins Leben veröffentlicht werden, die sich laut Sulpicius Severus in unserer Stadt abgespielt haben.



Detail aus dem Fresko von Albert Burkart in der Martinuskirche in Leutkirch, Foto: Roland Rasemann

Martin heilt in Trier ein gelähmtes Mädchen

in: Vita Martini, Kap. 16
Die Gnade der Krankenheilung besaß er in so hohem Grad, dass kaum ein Kranker zu ihm kam, ohne sofort die Gesundheit wiederzuerlangen. Dies erhellt auch aus folgendem Beispiel. Zu Trier lag ein Mädchen an Lähmung schwerkrank darnieder. Schon seit langem versagten die Glieder gänzlich ihren Dienst, am ganzen Leibe war das Mädchen gefühllos, die Lebensflamme flackerte nur noch schwach. Traurig umstanden sie die Verwandten und warteten nur auf ihren Tod. Da kam plötzlich die Kunde, Martinus sei in die Stadt gekommen. Sobald der Vater des Mädchens davon hörte, eilte er ganz außer Atem dorthin, um für seine Tochter zu bitten. Martinus war gerade in eine Kirche eingetreten. Laut schluchzend umfasste dort der Greis vor den Augen des Volkes und in Gegenwart vieler anderer Bischöfe die Knie des Heiligen und sprach: "Meine Tochter siecht an einer schrecklichen Krankheit dahin; ja, was noch grausamer ist als der Tod, nur die Seele zeigt noch Leben, der Leib ist schon erstorben. Bitte, gehe zu ihr, segne sie. Ich habe das feste Vertrauen, sie wird durch dich gesund werden". Durch diese Bitte verwirrt und betroffen, suchte Martinus abzuwehren; das gehe über seine Kraft: der Greis beurteile ihn falsch: er sei nicht würdig, dass Gott durch ihn ein Wunder wirke. Weinend beschwor und bat ihn der Vater noch inständiger, er möge die Halbtote besuchen. Schließlich begab sich Martinus, weil auch die umstehenden Bischöfe ihn drängten, zur Wohnung des Mädchens. Eine große Menschenmenge wartete außen voll Spannung auf das, was der Diener Gottes tun werde. Zunächst warf er sich auf den Boden und betete. Das waren in solchen Fällen seine gewöhnlichen Mittel. Dann schaute er die Kranke an und verlangte Öl. Er segnete es und goss die wunderkräftige, geheiligte Flüssigkeit dem Mädchen in den Schlund. Sofort kehrte der Gebrauch der Sprache wieder. Durch die Salbung erhielt ein Glied nach der anderen wieder neuen Lebenskraft; auch die Füße erstarkten, und das Mädchen konnte wieder aufstehen, das ganze Volk war Zeuge davon.
Text: Pius Bihlmeyer 

Kommentar von Hans-Georg Reuter

Sulpicius Severus zeichnet den hl. Martin als einen „zweiten Christus“, als einen Bischof, der in der Nachfolge Jesu Wunder wirkte wie Jesus Christus. In Trier heilte er ein todkrankes Mädchen; sein Bericht erinnert an Lk 8, 41ff:
„Da kam ein Mann namens Jaïrus, der Synagogenvorsteher war. Er fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen. Denn sein einziges Kind, ein Mädchen von etwa zwölf Jahren, lag im Sterben.“
Der Vater des todkranken Mädchens hat von dem wunderwirkenden Bischof Martin gehört. Er eilt zur Kirche, wo er Martin zu finden hofft. Das kann nur die Bischofskirche, die südliche der Doppelkirchenanlage sein (an der Stelle steht heute die Liebfrauenkirche). Dort fällt er vor Martin auf die Knie – vor den Augen vieler Zeugen - und bittet ihn, zu seiner sterbenden Tochter zu gehen und sie zu segnen. Martin weigert sich, er hält sich nicht für würdig, dass der Herr durch ihn ein Zeichen seiner Macht gebe. Schließlich begibt er sich doch in das Haus und betet und salbt das Mädchen mit Öl, sodass es von seiner Lähmung gesundet sich den Leuten zeigen kann.
Die Wunder, von denen die Evangelisten berichten, sind Zeichen dafür, dass Jesus im Auftrag und in der Kraft Gottes handelt und spricht. So sollen die Wundertaten des hl. Martin bezeugen, dass er – im unablässigen Gebet mit Gott verbunden – ein Gottesmann ist, ein rechter Bischof. Seine Heilungswunder beeindrucken das Volk wie den Kaiser, der Martins Rat schätzt, seine Bitten ( fast immer) erfüllt.

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